Alles dreht sich um MICH und das bin ICH

Freitag, September 7, 2018

 

Es gibt Dinge im Leben, da bin ich mir nicht so sicher, ob es früher anders war, oder ob sie mir erst jetzt als “Erwachsene” auffallen. Es gibt eine Zeit im Leben, da beschäftigten wir uns alle nur mit uns selbst. In der Teenagerzeit müssen wir herausfinden wer wir sind und was wir im Leben erreichen wollen. Als junge Erwachsene müssen wir lernen auf eigenen Beinen zu stehen. Egal ob Studium, Beruf oder Weltreise. In dieser Zeit haben wir sehr viel mit uns selbst zu tun. Natürlich haben wir zu der Zeit auch Freunde und Familie, die wir sehr gern haben. Allerdings liegt unser Fokus auf unserem eigenen Leben.

Danach sind wir im Leben “angekommen”. Wir haben einen Beruf oder eine Berufung der wir gerne nachgehen. Wir interessieren uns für unsere Mitmenschen. Treffen uns mit unseren Freunden und fahren auch mit der Familie in den Urlaub. Unsere Erzählungen fangen nicht immer mit “ICH” an, sondern auch mal mit “meine Freundin” oder “mein Bruder”.

Besonders als Mutter erzählt man doch gerne von “meinem Sohn”. Ich achte bei einem Gespräch aber stets darauf, dass es nicht überhand nimmt. Insbesondere bei kinderlosen Menschen, versuche ich Themen rund ums Kind zu vermeiden. Man unterhält sich über Dinge und tauscht sich aus. Und doch fällt es mir in der letzten Zeit wieder vermehrt auf. Bei manchen Unterhaltungen darf ich mir eigentlich nur einen Monolog über die Person anhören. “ICH war heute arbeiten, ICH habe Kopfschmerzen, ICH mache das so…” Es ist  überhaupt nicht verwerflich über sich selbst zu sprechen. Es sollte aber ein Gespräch bleiben und kein Monolog werden.

Was ich persönlich noch schlimmer finde, ist vorgeheucheltes Interesse. Im ersten Lebensjahr eines Babys bekommt man viele Fragen gestellt: “Schläft er schon durch? Stillst du ihn noch? Bekommt er viel Aufmerksamkeit von dir?” Ich habe immer brav auf alle Fragen geantwortet. Anfangs fragen die Leute auch noch nach Bildern deines Kindes. Ein halbes Jahr später ist das Interesse verflogen. Denn nur kleine Babys sind interessant. Und was ich den ganzen Tag so tue, interessiert sowieso niemanden. Auf meinem Blog geht es logischerweise nur um mich  und meine Interessen. Im Alltag gehe ich bei Gesprächen meist auf mein Gegenüber ein.

Ich habe in dem letzten 3/4 Jahr nur einmal ein Bild von Nico gezeigt. Auf Nachfrage versteht sich, denn ich finde es etwas aufdringlich, wenn ich jedem ein Bild von meinem Sohn zeige. Viel mehr möchten die Menschen gefragt werden, was sie machen und wie es ihnen aktuell geht. Da stellt man sich als neue Kollegin vor und da wird nach einer Woche schon vergessen, dass ich Mama bin. Ganz ehrlich? Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn Geburtstage oder bestimmte Daten vergessen werden. Aber wenn wirklich offensichtliche Dinge vergessen werden, zeigt das nur von Desinteresse der Person!

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es kaum noch Menschen gibt die wirklich Interesse an einem haben. Die Standardfrage: “Wie geht es dir?” wird schnell abgehandelt und die Pflicht wurde somit erfüllt. Es hat mich sicherlich einige Freundschaften gekostet. Aber ich möchte nicht ständig hinterherlaufen und hinterfragen. Dafür ist mir meine Zeit zu kostbar.

Und für alle die es nicht mitbekommen haben: Ich heiße Kristina, bin verheiratet und habe einen 13 Monate alten Sohn und arbeite zurzeit als Aushilfe im Fitnessstudio. :-)

Habt ihr auch das Gefühl, dass sich in der heutigen Zeit viele nur für sich selbst interessieren? Oder befinde nur ich mich momentan in so einem Umfeld?

 

4 Responses
  • Jennifer
    September 7, 2018

    Ich habe die gleiche Einstellung wie Du. Ich interessiere mich immer sehr für meine Mitmenschen und gehe auf sie ein und würde nie über Themen reden, zu denen mein Gegenüber nicht so ein Bezug hat. Als es mir dann letztens Mal nicht so gut ging, weil echt blöde Sachen passiert sind und ich das einer guten Freundin erzählt habe, kam von ihr dann nur eine ganz abweisende Reaktion, ihr wäre das zuviel, ihr würde es selbst gerade nicht so gut gehen und alle würden sie ja immer nur mit ihren Problemen zutexten. Fand ich sehr schade, weil ich da eigentlich überhaupt nicht so bin und mehr auf die anderen eingehe. Aber viele Menschen sind scheinbar mehr an sich selbst interessiert. Wenn sich dann auch noch wichtige Dinge, wie Du ja schreibst, nicht mal gemerkt werden und man diese 5 Mal erzählen muss, finde ich das schon auch echt blöd und irgendwann hat man dann auch keine Lust mehr. Liebe Grüße Jennifer von https://fashionistasfairytale.blogspot.de/

  • Melanie
    September 9, 2018

    Oh ja, da sprichst du mir aus der Seele! In meinem Umfeld hatte ich eine sehr starke Egoistin, da hat sich alles immer nur um sie gedreht, und ich meine auch wirklich ALLES. Für andere hat sie sich nicht interessiert. Ich mag solche Menschen auch nicht, die immer so stark ICH-Bezogen sind.

    Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, will ich auch ein Gespräch haben.

    viele liebe Grüße
    Melanie / Goldzeitblog

  • Krissi
    September 9, 2018

    Ich bin eine Person, die sehr gerne etwas erzählt bekommt und Dinge über andere erfährt. Ich mag es nicht, pausenlos von mir selbst zu reden, besonders wenn ich neue Menschen kennenlerne. Dann erzähle ich natürlich etwas, erfahre aber auch gerne Dinge über sie, frage nach etc.

    Klar sollte man nicht nur die andere Person reden lassen, da es auch für diese unangenehm werden könnte, wenn sie nur am reden ist. Ein Gespräch ist es dann, wenn beide/alle Teilnehmer mal etwas erzählen, ohne die anderen voll zu texten und sich dann aber auch etwas erzählen lassen.
    Vorgeheucheltes Interesse ist ganz schlimm und man merkt es oft recht schnell, wenn jemand eigentlich nur weg will, aber höflichkeitshalber weiter mit einem redet. Das ist dann natürlich eher weniger schön…

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    https://www.themarquisediamond.de/

  • Diana
    September 13, 2018

    Bei mir ist es eine gute Balance. Und ich finde nicht, dass die Leute nur noch Ich-Bezogen sind. Es gibt Tage und Tage…manchmal muss man seinen Ärger/ Frust/ Freude mit anderen teilen. Und dann dreht sich mehr um eine Person. Und dann sind die Tage wo es ein Gespräch ist…wo jeder erzählt, Fragen stellt…eine schöne Zeit zusammen. Und ich glaube so sollte es sein.
    LG, Diana

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